Die deutsche Veranstaltungswirtschaft steht unter Druck. Wirtschaftspolitische Fehlentscheidungen belasten den Sektor spürbar – und machen einmal mehr deutlich, wie entscheidend belastbare Zahlen für politische Wahrnehmung und Unterstützung sind. Spätestens in der Coronakrise hat die Branche gelernt: Staatliche Hilfen erhalten nur jene Wirtschaftszweige, die klar quantifiziert und statistisch erfasst sind. Vor diesem Hintergrund verfolgt der fwd: Bundesvereinigung Veranstaltungswirtschaft e.V. seit fünf Jahren eine konsequente Forschungs- und Studienoffensive.

Von Juli bis Dezember 2025 führte der Verband bereits zum dritten Mal seinen HR- und Gehaltsreport durch. Nach den Ausgaben 2022 und 2023 hat sich die Untersuchung als erster Standardreport etabliert, der Arbeitsbedingungen, Berufsbilder und Gehälter in der gesamten Veranstaltungswirtschaft systematisch auswertet.

Branchentypische Bandbreite untersucht

Die Online-Befragung wurde wissenschaftlich begleitet vom Research Institute for Exhibition and Live-Communication (RIFEL). 246 Unternehmen aus allen Bereichen der Veranstaltungswirtschaft nahmen teil. Vertreten waren Messebauer (27,2 Prozent), Agenturen (23,2 Prozent), Technikdienstleister (19,5 Prozent), Locations (12,6 Prozent), Eventausstatter (9,8 Prozent), Caterer (5,3 Prozent) sowie IT-Dienstleister und Eventabteilungen von Unternehmen. Diese acht Segmente bilden zugleich die zentralen Untersuchungsbereiche der Studie. Umsatz- und Beschäftigtenzahlen waren dabei branchentypisch verteilt.

Spektrum der Berufsbilder ausgeleuchtet

Bereits die Studien von 2022 und 2023 identifizierten 178 Tätigkeits- und Berufsbilder, die seither fortlaufend definiert und analysiert werden. In der aktuellen Befragung wurden sie als sogenannte Skill-Positionen untersucht. In allen teilnehmenden Unternehmen finden sich Geschäftsführer, Projektleiter und Projektmanager in konzeptionellen wie auch gewerblichen Tätigkeiten.

In der Verwaltung arbeiten unter anderem Office-, Marketing-, HR-, Account-, Nachhaltigkeits- und Umweltmanager sowie Geschäftsführungsassistenzen. Branchenspezifisch sind zudem Positionen wie Art- und Creative-Direktoren in Agenturen und Messebaubetrieben. Technikdienstleister beschäftigen Fachplaner für Video, Ton, Licht und Design, Ausstattungsunternehmen Lageristen, Logistiker und Disponenten. In Locations gehören Gebäude- und Facility-Manager zum festen Berufsbild.

Gehälter über dem allgemeinen Bundesdurchschnitt

Die Gehälter in der Veranstaltungswirtschaft haben sich seit 2022 moderat gesteigert und liegen insgesamt über dem allgemeinen Bundesdurchschnitt, wie ihn das Stellenportal Stepstone ermittelt. Projektmanager verdienten laut den Studien von 2022 und 2023 bis zu 3.815 Euro, in der Auswertung 2025 bereits bis zu 4.475 Euro. Zum Vergleich: Der bundesweite Durchschnitt über alle Sektoren hinweg liegt bei 4.146 Euro. Einzelne Berufsbilder, etwa Art- und Creative-Direktoren, erreichen deutlich höhere Einkommen.

Teams eher jung und gesund

Die Branche zeichnet sich durch einen vergleichsweise jungen Altersdurchschnitt aus. Flexible Arbeitszeitmodelle, gute Karrierechancen und umfangreiche Zusatzleistungen sind weit verbreitet. Dazu zählen unter anderem Mobiltelefone (83,3 Prozent), Mitarbeiterevents (80,5 Prozent), Weiterbildungen (77,2 Prozent), Parkplätze (74,8 Prozent), Arbeitsbekleidung (71,1 Prozent), Firmenfahrräder (60,2 Prozent) und Firmenwagen (52,8 Prozent).

Die durchschnittliche Zahl der Urlaubstage liegt zwischen 25,7 bei Technikdienstleistern und 28,7 bei Messebauern. Der bundesweite Durchschnitt beträgt 29,8 Tage. Auffällig ist zudem der Gesundheitszustand der Beschäftigten: Während Arbeitnehmer in Deutschland 2025 im Schnitt 22 Krankheitstage verzeichneten, liegen die Werte in der Veranstaltungswirtschaft deutlich darunter – zwischen 5,3 Tagen bei gewerblichen Mitarbeitern in Agenturen und 12,5 Tagen bei gewerblichen Kräften in Ausstattungsbetrieben.

Zahlen sichern politische Sichtbarkeit

Für die Branche haben Studien eine zentrale Bedeutung – nicht nur intern, sondern vor allem im politischen Diskurs. „Wer nicht in Zahlen und messbaren Fakten existiert, existiert für Regierungsentscheider gar nicht. Dies zeigte sich besonders dramatisch in der Coronapandemie, als sämtliche Hilfspakete und Maßnahmen zulasten der Veranstaltungswirtschaft gingen bzw. an ihr vorbeiliefen“, betont Alexander Ostermaier, Geschäftsführer des fwd: Bundesvereinigung Veranstaltungswirtschaft.

Auch innerhalb der Unternehmen dienen die Ergebnisse als wichtige Bezugs- und Vergleichsgrößen für strategische Entscheidungen. Der HR- und Gehaltsreport soll deshalb künftig alle zwei Jahre erscheinen und gilt mittlerweile als feste Größe in der Veranstaltungswirtschaft.

Fünf Jahre wissenschaftliche Branchenforschung

Seit 2017 erstellt das RIFEL-Institut in wissenschaftlicher Zusammenarbeit mit der Technischen Universität Chemnitz Studien für den fwd:. Neben den drei HR- und Gehaltsreports zählen dazu mehrere grundlegende Untersuchungen. Die Metastudie „Gesamtwirtschaftliche Bedeutung der Veranstaltungsbranche“ zeigte 2020, dass der Sektor der sechstgrößte Wirtschaftszweig in Deutschland ist. Die „Landkarte der Veranstaltungswirtschaft“ belegte 2021, dass 243.000 Unternehmen inklusive Soloselbständigen mit 1,13 Millionen Erwerbstätigen einen Jahresumsatz von 81 Milliarden Euro erwirtschaften.

Weitere Analysen folgten, darunter die Metastudie „Eventbranche im Aufschwung: Steigende Budgets, technologische Innovationen und Nachhaltigkeit im Fokus“ aus dem Jahr 2024 sowie die „DEI-Reports I und II“, die 2025 erstmals den Stand von Diversität und Inklusion in der Branche beleuchteten.

HR- und Gehaltsreport verfügbar

Eine Kurzfassung des HR- und Gehaltsreports 2025 ist im Online-Shop des RIFEL-Instituts erhältlich, ebenso die vollständige Version. Zudem können sich Interessierte über den Newsletter des RIFEL-Instituts regelmäßig über neue Studien und Entwicklungen informieren.

Quelle: Messe & Event Magazin

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Kategorien: Messebau

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