Über 8.000 Kongresse, Firmentagungen und Seminare generierten österreichweit rund 720.000 Nächtigungen.

„Unsere heimische Tagungs- und Kongressbranche wurde besonders hart von der Corona-Pandemie getroffen – und mit ihr die gesamte Wertschöpfungskette. Von der Stadthotellerie über Caterings bis Bühnenbau oder Security“, betont Tourismusministerin Elisabeth Köstinger und verweist auf den enormen Wirtschaftsfaktor der Branche. Immerhin repräsentiere die Tagungs­industrie rund 10 Prozent der touristischen Wertschöpfung. 2019 fanden über 25.000 Seminare, Firmentagungen und Kongresse mit rund 1,8 Mio. Teilnehmern in Österreich statt. Dadurch wurden 3,4 Mio. Nächtigungen generiert.

„Messen, Kongresse und die Tagungs­industrie sind essenziell für unseren Wirtschaftsstandort. Solche Veranstaltungen generieren Nächtigungen, sorgen für Arbeitsplätze und bringen Wertschöpfung in die Regionen. Umso wichtiger ist es, dass die Branche wieder durchstarten kann. Daher haben wir den Veranstalterschutzschirm in der Höhe von 300 Mio. Euro gespannt. Er soll Anreiz und ­Sicherheit für die künftige Planung von Veranstaltungen geben und wird gut angenommen“, so Köstinger. Mit Ende August wurden bereits über 850 Anträge gestellt. Rund 121 Mio. Euro wurden bislang ­genehmigt. „Unser aller Ziel ist, dass ­Österreich wieder seine Position als weltweit ­gefragte Kongress-Destination einnimmt. Davon profitieren wir alle.“

Meeting-Industrie blickt in die Zukunft

Covid hat auch vor der heimischen Tagungs- und Kongressbranche nicht haltgemacht. Das geht aus den Zahlen des Meeting Industry Report Austria hervor. Im Vergleich zum Rekordjahr 2019 gab es bei den Veranstaltungen, wie Kongressen, ­Firmentagungen oder Seminaren, einen Rückgang um 66 %.

Bei der Teilnehmerzahl wurde ein Minus von 74,5 % verzeichnet und bei den Nächtigungen gab es einen Rückgang von 78,8 %.

„Auch wenn die Zahlen wirklich nicht schön aussehen, sind wir als Branche mit dem Jahr 2020 nicht nur unzufrieden. Unter anderem, weil wir zeigen konnten, dass wir uns rasch an wirklich schwierige Bedingungen anpassen können. Aber vor allem, weil das Virus in uns einen Prozess in Gang gesetzt hat, bei dem wir uns nicht nur mit unserem Purpose, sondern vor allem mit den Chancen der Zukunft auseinandergesetzt ­haben“, so Gerhard Stübe, Präsident des Dach­verbands der österreichischen Kongress- und Tagungsindustrie. In den Herbst blickt die Branche mit vorsichtiger Zuversicht. Die Buchungslage ist zwar noch weit von den Vorkrisenniveaus entfernt, die befragten Unternehmen spüren aber seitens ihrer Kunden ein starkes Interesse, wieder Tagungen, Kongresse oder Firmenveranstaltungen in Österreich auszutragen. „Wir waren zwar stolz darauf, mit unseren Betrieben Teil der Pandemiebekämpfung gewesen zu sein, wir wollen uns aber jetzt ganz auf die ursprüngliche Aufgabe konzentrieren und wieder spannende, ergebnis­orientierte Kongresse, Tagungen abhalten und unsere Zukunftsideen umsetzen“, so Stübe weiter.

Maßnahmen helfen – Erholung 2023

Die Kurzarbeit, die verschiedenen Zuschüsse ­sowie der Veranstalterschutzschirm der Bundes­regierung haben ganz wesentlich zu einer wirtschaftlichen Handlungsfähigkeit der heimischen Betriebe, aber vor allem zur Absicherung von ­Arbeitsplätzen in der Branche geführt: So haben 70 % der Betriebe keine Mitarbeiter abgebaut und 82 % hatten Mitarbeiter in Kurzarbeit. Die ­Buchungslage ist für 55 % der Betriebe in den nächsten Monaten wie erwartet, 32 % sehen sogar eine bessere Buchungslage und die Branche rechnet mehrheitlich mit einer Erholung im Jahr 2023, 34 % sehen dies schon 2022. Diese Zahlen basieren auf einer Umfrage unter den Mitgliedsbetrieben des Austrian Convention Bureaus.

Der Kongress muss Veränderung schaffen

Die heimische Meeting-Industrie ist während der Pandemie nicht stillgestanden, sondern hat – in einem universitär begleiteten Prozess und im Rahmen der Branchentagung „ACB Convention4u“ – darüber nachgedacht, wie Covid, wie die Digitalisierung und wie die neuen Rahmen­bedingungen die Branche verändern werden. „Unsere Teilnehmer bzw. Veranstalter haben ­andere Motivatoren als vor der Krise, und diese müssen wir mit unseren Betrieben ansprechen“, so Gerhard Stübe, der weiter meinte, „dass wir uns als ein Ergebnis der Diskussionen, die wir basierend auf den Ergebnissen geführt haben, von ­einer Meeting-Industrie hin zu einer Meaning-Industrie bewegen müssen. Wir müssen weg von Standardlösungen. Co-Creation und Bricolage sind Schlagworte, die als Basis eine viel engere Bindung zwischen der Meaning-Industrie und den Veranstaltern ermöglichen sollen“, fasst Stübe die Ergebnisse der Studie zusammen.

Die österreichische Tagungs- und Kongress­branche stand im Jahr 2020 ganz im Zeichen von Covid. Nicht nur, weil zahlreiche Veranstaltungsräumlichkeiten für Covid-Testungen, Impfungen und als Notspitäler genutzt wurden, sondern auch, weil Veranstaltungen nur zwischen den Lockdowns – von Jänner bis März und von Juni bis Anfang November – möglich waren. Als Folge davon kam es im Vergleich zum Rekordjahr 2019 bei den Veranstaltungen zu einem Rückgang um 66 %. Bei der Teilnehmerzahl wurde ein Minus von 74,5 % verzeichnet und bei den Nächtigungen gab es einen Rückgang um 78,8 %. Dies geht aus den gemeldeten Daten des Meeting Industry ­Report Austria (mira) hervor.

„Dort wo (und wenn) es möglich war, hat die ­Tagungs- und Kongressbranche aber auch 2020 ­gezeigt, dass lokale Einbettung, direkte Kundenbetreuung und die Bereitschaft, sich noch mehr anzustrengen, solide Pfeiler für den Erfolg unserer Mitglieder auch in schwierigen Zeiten sind“, ­erklärt Gerhard Stübe, Präsident des Austrian ­Convention Bureaus, der Dachvereinigung der Branche. „Darüber hinaus hat eine offene Kommunikation in Krisenzeiten auch das Vertrauen in unsere Branche gestärkt und so die Voraus­setzung geschaffen, im Covid-Jahr 2020 ,sichere’ Veranstaltungen abzuhalten“, so Stübe weiter.

Der Großteil der Veranstaltungen fand unter ­anderem aufgrund der Reisebeschränkungen, die das Jahr 2020 prägten, mit nationaler Ausrichtung (88 %) statt. Vom inhaltlichen Schwerpunkt kamen diese aus den Bereichen Wirtschaft, Politik und aus der Humanmedizin. Bei den Veranstaltungsarten kam es gegenüber dem Jahr 2019 nur zu geringfügigen Veränderungen: Mit 43,7 % schafften Firmentagungen beinahe die Hälfte ­aller erfassten Veranstaltungen. Nach Seminaren, die knapp ein Drittel (31,2 %) ausmachten, entfiel ein Viertel (25,1 %) auf Kongresse. In Summe ­generierte die Tagungs- und Kongressbranche im vergangenen Jahr 721.045 Nächtigungen (2019 waren es noch über 3,3 Millionen), dies entsprach knapp einem Prozent der touristischen Nächtigungen in Österreich.

2.145 Kongresse im Jahr 2020 

Im Vergleich zu 2019 wurden die meisten ­Kongresse im Jänner (380), im September (367) und im Oktober (409) abgehalten. Die wenigsten Veranstaltungen wurden für die Monate April, Mai, November und Dezember gemeldet, was auf die landesweiten Lockdowns in diesen Zeit­räumen zurückzuführen ist. Der Großteil waren nationale Kongresse (1.752).

Trotz der geringeren Anzahl an internationalen Kongressen (18,3 %) im Vergleich zum Vorjahr (28,3 %) waren mehr als ein Drittel (38,7 %) der Kongressteilnehmer internationale Gäste, da ­Kongresse mit internationaler Ausrichtung eine durchschnittlich höhere Teilnehmerzahl auf­weisen.

Knapp die Hälfte aller Kongress- und Tagungsnächtigungen wurde durch internationale Kongresse (348.000) generiert.

Die meisten internationalen Kongressgäste ­kamen im 1. Quartal sowie in den Monaten ­September und Oktober. Im Februar waren sogar mehr als die Hälfte der Teilnehmer (57,61 %) internationale Gäste.

Bezogen auf die Veranstaltungszahl waren 2020 besonders Kongresse mit den Themengebieten Wirtschaft und Politik gefragt. Diese setzten sich mit 43 % noch stärker als im Jahr zuvor durch. Auch an der Teilnehmerzahl gemessen, lösten diese Themenbereiche Kongresse im Bereich der Humanmedizin ab.

Veranstaltungen in den Bundesländern 

Nach Wien (3.045) wurden die meisten Veranstaltungen in Oberösterreich (1.331), der Steiermark (1.044) und Salzburg (996) erfasst. In den meisten Bundesländern machten Firmentagungen den größten Anteil an Veranstaltungen aus. Nur in zwei Bundesländern war eine andere Veranstaltungskategorie stärker vertreten: In Tirol wurden vergleichsweise mehr Kongresse (49,7 %) und in Wien mehr Seminare (49,5 %) durchgeführt.

An der Teilnehmeranzahl gemessen, begrüßten Wien (36,6 %), Oberösterreich (13,7 %), Tirol (13,0 %) und Salzburg (11,6 %) die meisten Teilnehmer in ihren Veranstaltungsstätten. Mit 264.767 Nächtigungen bleibt Wien Spitzenreiter (36,7 %), dahinter reihen sich Tirol (24,1 %), Salzburg (11,3 %) und Oberösterreich (9,6 %).

Green Meetings 

Die heimische Tagungs- und Kongressbranche legt einen besonderen Stellenwert auf Green Meetings, bei denen die Veranstalter besondere Umwelt- und soziale Anforderungen erfüllen. Anstatt Müllberge und Verkehrslawinen zu verursachen, zeichnen sich Green Meetings unter anderem durch erhöhte Energieeffizienz, umweltschonende An- und Abreise sowie regionale Wertschöpfung aus. Auch die Green Meetings litten 2020 unter Corona und lagen mit 56 deutlich hinter den Jahren 2018 und 2019, wo es 346 bzw. 211 Meetings gab, die unter diesem Qualitätssiegel liefen. „Bei den Green Meetings sehen wir ein starkes Entwicklungspotenzial. Hier werden wir unsere Kunden wesentlich stärker informieren, was möglich ist, um einen Kongress oder eine ­Tagung nicht nur inhaltlich, sondern auch ökologisch nachhaltig umzusetzen“, so Stübe.

Hier geht es zum ausführlichen mira-Report: www.acb.at/Start/TagungStart/Statistik/mira

Foto: Weinviertel Tourismus/Robert Herbst

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Quelle: Messe & Event Magazin
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Kategorien: Messebau

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