Mit einer klaren strategischen Neuausrichtung will die Messe Dornbirn ihre Position als moderne Veranstaltungsdestination im Vierländereck weiter schärfen. Geschäftsführer Nilly Nail setzt dabei auf spezialisierte Themenmessen, wirtschaftlich tragfähige Konzepte und eine stärkere Vernetzung von Wirtschaft, Technologie und Gesellschaft. Im Interview spricht er über neue Leitformate wie die AustroMobil, digitale Entwicklungen und die langfristige Profilierung des Standorts Dornbirn.

Messe & Event: Sie haben die Geschäftsführung der Messe Dornbirn GmbH in einer Phase der Transformation übernommen – was sind Ihre ersten konkreten strategischen Prioritäten für die kommenden Monate?

Nilly Nail: Die Messe Dornbirn weist viele Voraussetzungen für eine erfolgsversprechende Veranstaltungsdestination auf – die unmittelbare Autobahnanbindung, rund 14 Tsd. m² moderne Messe- & Veranstaltungsinfrastruktur, gute Hotelkapazitäten, Attraktivität der Region und vor allem einen relevanten Wirtschaftsraum mit der Bodenseeregion. Gleichzeitig zeigt sich Entwicklungsbedarf im Profil. Die Priorität liegt derzeit auf der konsequenten Umsetzung des im Aufsichtsrat beschlossenen Zukunftskonzepts. Konkret bedeutet das eine stärkere inhaltliche Fokussierung des Messeportfolios, den gezielten Ausbau des Vermiet- und Servicegeschäftes sowie eine präzise Strukturierung der unterschiedlichen Nutzungen am Areal. Entscheidend ist dabei, dass jede Maßnahme wirtschaftlich nachvollziehbar ist und zur langfristigen Positionierung des Standorts beiträgt. Diese Neuausrichtung ist bewusst als längerfristiger Prozess angelegt. Es geht nicht um kurzfristige Effekte, sondern um nachhaltige Strukturen.

Die Messe Dornbirn positioniert sich als „interdisziplinärer Marktplatz“ im Vier-Ländereck. Wie übersetzen Sie diesen Anspruch konkret in neue Formate, Partnerschaften und Nutzungskonzepte?

Die Lage im Vier-Ländereck eröffnet Zugang zu einem der wirtschaftlich stärksten Räume Europas. Diesen Vorteil nutzen wir gezielt durch Formate, die regionale Kompetenzen sichtbar machen und unterschiedliche Branchen zusammenführen. Konkret setzen wir auf modulare Themenmessen, die Fach- und Publikumsinteressen verbinden, sowie auf Kooperationen mit Wirtschaft, Kammern, Hochschulen und Branchennetzwerken. Interdisziplinär bedeutet für uns nicht Beliebigkeit, sondern bewusst gesetzte Schnittstellen zwischen Wirtschaft, Technologie und gesellschaftlich relevanten Themen. Der Anspruch zeigt sich weniger in der Größe der Veranstaltungen, sondern in deren inhaltlicher Tiefe und Passgenauigkeit.

Mit Formaten wie der AustroMobil 2026 zeigt sich ein stärkerer Fokus auf spezialisierte Themenmessen. Welche Rolle spielen solche neuen Leitformate künftig in Ihrer Gesamtstrategie?

Spezialisierte Leitformate sind ein zentraler Baustein der zukünftigen Positionierung der Messe Dornbirn. Die AustroMobil zeigt, wie wirksam fokussierte Themenmessen sein können, wenn sie die richtigen Zielgruppen ansprechen und echte Relevanz bieten. Solche Formate ergänzen das bestehende Portfolio auf sinnvolle Weise. Die AustroMobil ist dabei kein Sonderfall, sondern ein Prototyp für diese neue strategische Ausrichtung. Ziel ist es, weitere Fach- und Themenmessen zu entwickeln, die an die wirtschaftlichen Stärken der Region anknüpfen und überregional wahrgenommen werden.

Die AustroMobil hat mit hoher Besucherzufriedenheit und starkem Händlerfeedback überzeugt. Welche Learnings aus dieser Premiere fließen in die Weiterentwicklung kommender Veranstaltungen ein?

Ein zentrales Learning ist die Bedeutung klarer Erwartungen auf beiden Seiten. Aussteller und BesucherInnen schätzen stimmige Messekonzepte, inhaltliche Klarheit und die Möglichkeit zur persönlichen Begegnung. Gerade im Automobilbereich zeigt sich, wie wichtig reale Produkterlebnisse und persönliche Beratung bleiben – trotz des Überangebots an Online-Content rund um die Neuerscheinungen im Autohandel. Die Rückmeldungen bestätigen zudem, dass Qualität vor Quantität zählt. Diese Erkenntnisse fließen direkt in die Weiterentwicklung kommender Formate ein, etwa durch präzisere Themensetzung, gezielt ausgebaute smarte Serviceangebote für AusstellerInnen. Mit der Sonderschau 140 Jahre Automobil haben wir zudem gezeigt, wie sich Information und Unterhaltung sinnvoll verbinden lassen.

Auch die SCHAU! 2026 wurde mit einem neuen Themenkonzept neu strukturiert. Welche Bedeutung hat die klare inhaltliche Gliederung von Messen für das Besuchererlebnis und den wirtschaftlichen Erfolg?

Eine stringente thematische Struktur erhöht die Orientierung, steigert die Aufenthaltsqualität und erhöht die Relevanz für das Publikum. BesucherInnen finden schneller, was sie interessiert, und setzen sich intensiver mit den Inhalten auseinander. Wirtschaftlich führt das zu höherer Zufriedenheit, stärkerer Bindung und besseren Erfolgsaussichten für AusstellerInnen durch gezieltere Kontakte. Die SCHAU! entwickelt sich Schritt für Schritt zu einer modularen Themenmesse mit Fachcharakter. Das ist ein zentraler Hebel, um Publikumsformate zeitgemäß und tragfähig weiterzuentwickeln.

Sie bringen umfangreiche Erfahrung in der digitalen Transformation mit. Wie wollen Sie digitale Elemente künftig stärker in die physischen Messeformate in Dornbirn integrieren?

Digitale Tools verstehen wir als Ergänzung und nicht als Ersatz für die physische Messe. Künftig setzen wir verstärkt auf Matchmaking-Tools, digitale Ausstellerplattformen und automatisierte Lead-Auswertungen. Digitalisierung soll den Messeauftritt messbarer und effizienter machen, ohne ihn komplizierter zu gestalten. Ziel ist ein spürbarer Mehrwert für AusstellerInnen und BesucherInnen vor, während und nach der Veranstaltung. Die Messe bleibt ein Ort der persönlichen Begegnung, wird aber digital unterstützt und insgesamt serviceorientierter. Dieses Jahr wird unsere Lifestylemesse Gustav erstmals mit einem Marktplatz ergänzt. Damit haben die Aussteller die Möglichkeit, ihre Messeangebote in einem zeitlich begrenzten Onlineshop – unabhängig von ihrer Messeteilnahme – zu bewerben bzw. zu verkaufen.

Ein zentrales Ziel ist die stärkere Nutzung des Areals – etwa für Veranstaltungen, Vermietung und Infrastrukturentwicklung. Welche neuen Geschäftsmodelle sehen Sie hier für den Standort Dornbirn?

Neben den Eigenformaten gewinnt das Vermietgeschäft künftig deutlich an Bedeutung. Das Areal bietet Potenzial für Konzerte, Gastmessen, Kongresse und Corporate Events. Ziel ist eine höhere Auslastung über das gesamte Jahr hinweg. Ergänzend bauen wir den Servicebereich systematisch aus und positionieren uns stärker als Servicepartner für externe VeranstalterInnen. Dadurch entstehen zusätzliche Erlösquellen und eine nachhaltige Belebung des Standorts Dornbirn.

Mit Blick auf den zunehmenden Wettbewerb im Messe- und Eventmarkt: Wodurch kann sich die Messe Dornbirn künftig klar differenzieren – regional wie international?

Die Differenzierung liegt nicht im Volumen, sondern im bewussten Fokus. Dornbirn positioniert sich als kompakter, präzise profilierter Messestandort mit Spezialisierung auf regionale und überregionale Nischen. Unsere primäre Zielregion ist Westösterreich, Südbayern, Ostschweiz und Liechtenstein. Dabei haben wir mit der Bodenseeregion einen sehr attraktiven Wirtschaftsraum. Kurze Wege, eine starke regionale Wirtschaft, persönliche Atmosphäre und passgenaue Formate sind entscheidende Wettbewerbsvorteile. Unser Anspruch ist nicht Größe, sondern Profil. International denken wir mit, handeln aber bewusst aus regionaler Stärke heraus mit Angeboten, die relevant, wirtschaftlich tragfähig und nachhaltig sind.

Vielen Dank für das Gespräch!

Quelle: Messe & Event Magazin

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Kategorien: Messebau

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