Mehr als 1.000 Teilnehmer und 140 Speaker diskutierten in Wien über technologische Führungsrolle, Resilienz und strategische Souveränität Europas. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie Forschung schneller in industrielle Stärke und wirtschaftliche Wertschöpfung übersetzt werden kann.
Wie kann Europa seine wissenschaftliche Exzellenz besser in technologische Führungspositionen, industrielle Stärke und strategische Autonomie übersetzen? Mit dieser Frage beschäftigten sich die Technology Talks Austria 2026 am 10. und 11. September im Wiener MuseumsQuartier.
Unter dem Leitthema „Empowering Europe: Technological Leadership for a Resilient Future“ versammelte die Konferenz mehr als 1.000 Teilnehmer und 140 Speaker. Rund 30 Stunden Programm mit zwei Keynotes, sechs Plenary Sessions, drei Jungforschenden-Events, zwölf Workshops und fünf Side Events boten Gelegenheit, zentrale Zukunftsthemen aus unterschiedlichen Perspektiven zu diskutieren. Ergänzt wurde das Programm durch ein Get Together und eine Exhibition mit zehn Ausstellern.
Forschung schneller in die Anwendung bringen
Ein zentraler Punkt der Diskussionen war die Frage, wie Europa vorhandenes Forschungs- und Innovationspotenzial besser in wirtschaftliche Stärke umwandeln kann. Europa verfüge über exzellente Forschung, innovative Start-ups und eine starke Industrie. Entscheidend sei nun, daraus international erfolgreiche Unternehmen und industrielle Wertschöpfung zu entwickeln.
„Gemeinsam entwickeln wir hier konkrete Perspektiven für Europas technologische Zukunft“, erläutert Brigitte Bach, Sprecherin der Geschäftsführung des AIT Austrian Institute of Technology und Vorsitzende des Veranstaltungskuratoriums der Technology Talks Austria. „Dabei diskutieren wir zentrale technologische Entwicklungen und wichtige Zukunftsfragen“, betont Andreas Kugi, Vorsitzender des Programm-Komitees der Technology Talks Austria und Scientific Director des AIT.
Für die Konferenzteilnehmer wurde dabei insbesondere eines deutlich: Europa muss schneller werden. Entscheidungs- und Genehmigungsprozesse sollen beschleunigt, Investitionen rascher mobilisiert und erfolgreiche Technologien schneller skaliert werden.
Technologische Souveränität ohne Abschottung
Eine weitere zentrale Botschaft: Europa muss nicht in jeder Technologie weltweit führend sein. Stattdessen sollten jene Bereiche identifiziert werden, in denen wissenschaftliche Exzellenz, industrielle Stärke und strategische Relevanz zusammentreffen. Dort gilt es, kritische Masse und internationale Führungspositionen aufzubauen.
Technologische Souveränität wurde dabei nicht mit Autarkie gleichgesetzt. Vielmehr geht es um die Fähigkeit Europas, bei kritischen Technologien selbstbestimmt entscheiden und handeln zu können und über die notwendigen Kompetenzen und Kapazitäten zu verfügen. Internationale Partnerschaften bleiben gleichzeitig ein wichtiger Bestandteil.
Auch die Absicherung kritischer Ressourcen spielt dabei eine wesentliche Rolle. Der Zugang zu Rohstoffen, Energie und Vorprodukten müsse verlässlich gewährleistet werden. Diversifizierte Lieferketten, Kreislaufwirtschaft und die Substitution kritischer Ressourcen wurden als wichtige Bausteine für mehr Resilienz genannt.
Kapital und ein gemeinsamer Markt als Erfolgsfaktoren
Neben Forschung und Technologie standen auch die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen im Fokus. Innovative Unternehmen benötigen ausreichend Wachstumskapital, um ihre Technologien zu skalieren. Ein stärker integrierter europäischer Kapitalmarkt, mehr privates Wachstumskapital und attraktive Exit-Möglichkeiten wurden als wichtige Voraussetzungen genannt.
Gleichzeitig brauche es einen europäischen Heimatmarkt, auf dem Technologieunternehmen rasch wachsen können. Nationale Fragmentierung und regulatorische Hürden gelten dabei als Herausforderungen.
Eine engere Verbindung zwischen Wissenschaft und Industrie soll ebenfalls dazu beitragen, Forschung schneller in wirtschaftliche Wirkung zu überführen. Durchgängige Transferpfade zwischen Universitäten, außeruniversitärer Forschung, Start-ups und Industrie sowie bessere Möglichkeiten für Demonstration, Erprobung und Skalierung sollen diesen Prozess unterstützen.
Resilienz und Dual Use im Fokus
Resilienz soll künftig bereits bei der Entwicklung technologischer Systeme berücksichtigt werden. Kritische Infrastrukturen und Technologien müssten robust, anpassungsfähig und sicher gestaltet sein.
Auch sogenannte Dual-Use-Technologien – also Technologien mit sowohl ziviler als auch sicherheits- oder verteidigungsrelevanter Anwendung – standen im Mittelpunkt. Sicherheit sollte demnach bereits bei der Entwicklung berücksichtigt werden: „Security by Design“ soll zu einem festen Bestandteil technologischer Entwicklung werden.
Hochkarätiges Programm
Auf der Bühne diskutierten unter anderem Christian Ehler (EU-Parlament), Jo De Boeck (imec), Marie-Agnes Strack-Zimmermann (EU-Parlament), Dominique Foray (EPFL Lausanne), Sabine Herlitschka (Infineon/IV), Lars Reger (NXP Semiconductors) und Natalie Guichard (EDA) über resiliente Infrastrukturen, Innovationsökosysteme, industrielle Führungsfähigkeit, Dual-Use-Technologien und technologische Souveränität.
An der Ausrichtung der Forschungs- und Technologiekonferenz waren insgesamt 48 Partner aus der österreichischen FTI-Community beteiligt.
Technology Talks Austria 2027 bereits fixiert
Nach der Konferenz ist vor der Konferenz: Die nächsten Technology Talks Austria finden am 9. und 10. September 2027 erneut direkt im Anschluss an das FFG-Forum im Wiener MuseumsQuartier statt.
Quelle: Messe & Event Magazin
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