Die wirtschaftliche Schwächephase in Deutschland erreicht nun auch die Messewirtschaft. Nach mehreren Jahren, in denen sich die Branche weitgehend gegen den negativen Trend in vielen Industriezweigen behaupten konnte, zeigen erste Kennzahlen für 2026 eine spürbare Abkühlung.
Nach der aktuellen Prognose des Verbands der deutschen Messewirtschaft AUMA entwickeln sich zentrale Indikatoren im messestarken ersten Quartal erstmals rückläufig: Die Zahl der Aussteller sinkt um 2,3 Prozent, die vermietete Standfläche um 4,6 Prozent. Lediglich die Besucherzahlen legen weiter leicht zu (+0,9 Prozent). Insgesamt haben bis Ende Mai rund 200 der 319 geplanten Messen im laufenden Jahr stattgefunden, 120 Veranstaltungen stehen noch im zweiten Halbjahr im Kalender.
Ein Beispiel für die weiterhin hohe internationale Relevanz des Messeplatzes Deutschland lieferte unter anderem die IFAT in München, die als weltgrößte Fachmesse für Umwelttechnologien zu den Branchenschwerpunkten des ersten Quartals zählt. IFAT Munich. Veranstalter ist Messe München.
Trotz der aktuellen Eintrübung fällt die Bilanz des Messejahres 2025 weiterhin positiv aus. Auf den 304 Messen des Vorjahres wurden rund 192.000 ausstellende Unternehmen gezählt (+0,7 Prozent). Die belegte Standfläche stieg leicht auf über 6,9 Millionen Quadratmeter (+0,4 Prozent), die Besucherzahl erreichte mehr als 12,7 Millionen (+1,9 Prozent). Besonders dynamisch entwickelte sich das internationale Geschäft: Mehr als 99.000 ausländische Aussteller (+1,5 Prozent) sowie knapp 2,8 Millionen internationale Besucher (+2,9 Prozent) unterstreichen die globale Bedeutung des Standorts Deutschland. Insgesamt stammten 66 Prozent aller Aussteller und über ein Drittel der Besucher aus dem Ausland.
AUMA-Vorsitzender Philip Harting warnt vor zunehmender Zurückhaltung in der Branche und richtet einen deutlichen politischen Appell an Berlin: „Es ist eine bemerkenswerte Resilienz in turbulenten Zeiten: Das Messeland Deutschland bleibt Weltspitze beim internationalen Publikum. Doch die Wirtschaftsflaute in Deutschland sorgt für immer mehr Vorsicht und Zurückhaltung. Eine echte Wirtschaftspolitik für die heimischen Unternehmen muss bis zum Jahresende spürbar werden. Der schleichende Abbau von Außenwirtschaftsförderung, hohe Standortkosten und überbordende Berichtspflichten sind verzichtbare, hausgemachte Probleme. Angesichts der Eskalation von Krisen und Konflikten weltweit schlagen diese zusätzlich auf Zukunftsinvestitionen wie Messeteilnahmen durch. Kontinuierlich steigende Besucherzahlen zeigen jedoch, dass der Treff- und Knotenpunkt Messe dringend notwendig ist, um im Gespräch zu bleiben.“
Im internationalen Vergleich bleibt China mit einem Anteil von über 18 Prozent die wichtigste Aussteller-Nation, gefolgt von Italien (rund 11 Prozent) und den Niederlanden (5 Prozent). Auf Seiten der Besucher liegen die Niederlande (7,3 Prozent), Österreich (7,1 Prozent), Italien (6,8 Prozent) und die Schweiz (6,4 Prozent) vorn; China folgt mit 4,5 Prozent auf Platz fünf.
Trotz wirtschaftlicher Unsicherheiten investieren die deutschen Messeplätze weiter in ihre Zukunft. Bis 2030 fließen laut Erhebung des AUMA rund eine Milliarde Euro in Modernisierung und Ausbau der Infrastruktur, vereinzelt sind auch Neubauten geplant. Zudem wurden 2025 zwölf neue Messen gestartet, weitere elf Premieren sind für das laufende Jahr angekündigt.
Quelle: Messe & Event Magazin
0 Kommentare